Alleinerziehend

Etwa jedes fünfte Kind in Deutschland lebt nur mit einem Elternteil zusammen, davon neun von zehn Kindern bei der Mutter. Wenn sich die Eltern trennen, ist das zum einen unschön für die Kinder, zum anderen bahnen sich meist Schwierigkeiten an, mit denen man lernen muss, umzugehen. Auch finanzielle Sorgen sowie Zweifel daran, wie man nun den Alltag bewältigen soll, erschweren eine Trennung zusätzlich.

Wie damit umgehen?

Egal, ob schon länger vorhersehbar oder plötzlich und unerwartet – eine Trennung vom Partner ist nie schön. Ist auch noch ein Kind mit im Spiel, ist es umso schwieriger. Auch wenn du verlassen wurdest, bist du nicht auf dich alleine gestellt. Die Frage nach dem Warum oder noch schlimmer, sich selbst die Schuld zu geben, ist kontraproduktiv. Versuche, dich von diesen Gefühlen frei zu machen. Negative Emotionen sind in Ordnung und müssen raus. Sie zu unterdrücken, bringt meist nichts. Natürlich möchtest du eine starke Mutter für dein Kind sein, aber du bist keine Maschine, die nur funktioniert. Rede mit einer Vertrauensperson über deine Gefühle und äußere ruhig auch, wenn du dich überfordert fühlst. Du musst nichts schönreden, denn deine Freunde werden mit dir mitfühlen. Neben dem seelischen Beistand können Freunde und Familienmitglieder dich auch im Alltag unterstützen. Vielleicht passen sie mal auf dein Kind auf, oder bringen etwas zum Essen mit und gehen für dich einkaufen. Scheu dich nicht, konkret nach Hilfe zu fragen.
Was in stressigen Situationen auch immer hilft: Atmen! Ganz tief ein und wieder aus. Das beruhigt und lässt dich neue Kraft tanken.
Auch wenn das nicht immer einfach ist, solltest du dein Kind unbedingt schützen und nicht in mögliche Streitereien oder Konflikte mit einbeziehen. Du solltest vor deinem Kind auch nicht schlecht über deinen ehemaligen Partner sprechen. Gibt es Spannungen, dann macht das unter euch aus und nicht im Beisein eures Kindes.
War es dein Entschluss, dich zu trennen, kann es auch hilfreich sein, sich immer wieder die Gründe für die Trennung vor Augen zu halten. Zur eigenen Entscheidung zu stehen, kann außerdem den Blickwinkel hin zum Positiven ändern.
Es ist wichtig, dir jetzt ein Netzwerk aufzubauen und den Kontakt zu anderen zu suchen. Neben Freunden und Verwandten können das auch Nachbarn oder andere Alleinerziehende sein. Ihr könnt euch gegenseitig unterstützen, auf die Kinder aufpassen und euch über die Situation und mögliche Schwierigkeiten austauschen. Schau doch mal im Internet nach, dort gibt es viele Blogs für Alleinerziehende.
Auch für dein Kind wird die Trennung nicht einfach sein. Es ist verständlich, wenn du dich um sein Wohl sorgst. Vergiss dabei aber nicht, auch gut zu dir zu sein. Nur wenn du gesund bist, kannst du für dein Kind da sein. Dein Kind wird lernen, dass du auch mal etwas Zeit für dich brauchst. Das ist nicht verwerflich, sondern wichtig! Nutz auch die Zeit effektiv, wenn dein Kind schläft oder im Kindergarten oder bei Freunden ist. Effektiv heißt dabei nicht nur, dass die Wäsche gewaschen wird und die Wohnung geputzt ist, sondern du dir auch mal Ruhe gönnst, um abschalten zu können. Das ist viel wichtiger, als immer eine perfekt aufgeräumte Wohnung zu haben.
Um all den anstehenden Aufgaben dennoch gerecht zu werden, brauchst du eine gute Übersicht. Kleine Hilfsmittel wie Kalender oder ein Haushaltsbuch können dir helfen, den Überblick zu behalten und dich zu organisieren. Du hast damit sowohl deine Termine als auch deine Finanzen im Überblick. Ein fester Tagesplan kann dir und deinem Kind helfen, Halt und Sicherheit zu finden. Versuche einen Rhythmus zu finden, der dir gut tut und funktioniert. Dabei kannst du verschiedene Dinge ausprobieren, bis du eine passende Lösung gefunden hast.
Ganz wichtig: Habe Vertrauen in dich! Du bist nicht auf andere angewiesen, um eine gute Mutter zu sein. Auch wenn es eine große Umstellung sein mag, glaube immer an dich und deine Fähigkeiten. Sieh es weniger als Katastrophe, sondern mehr als Herausforderung, mit der du über dich selbst hinauswachsen kannst. Dein Kind und du, ihr seid immer noch eine Familie.

Sich externe Hilfe suchen

Natürlich können dich deine Familie, Freunde und Nachbarn unterstützen, aber es gibt auch die Möglichkeit, sich Hilfe bei Verbänden und Stiftungen zu holen. Es gibt zum einen telefonische Beratungen, zum anderen Beratungsstellen vor Ort. Es gibt beispielsweise den Sozialdienst Katholischer Frauen e. V. oder den Verband Alleinerziehender Mütter und Väter. Informiere dich, und lass dich beraten. Du kannst auch über psychotherapeutische Hilfe nachdenken, wenn du dich wirklich sehr überfordert fühlst. Auch das ist kein Grund zur Scham, sondern zeigt Stärke.

Staatliche Hilfe

Wenn du alleinerziehend bist, steht dir vom anderen Elternteil Unterhalt für das Kind zu. Wie viel das ist, hängt von dem Verdienst des Vaters sowie dem Alter des Kindes ab. Ist das Kind jünger als drei Jahre, dann steht dir außerdem Betreuungsunterhalt zu, da du in dieser Zeit nicht arbeiten kannst. Auch die Höhe dieses Betrags richtet sich nach dem Einkommen des Unterhaltspflichtigen.
Bist du berufstätig, kannst du dich in die Steuerklasse II einstufen lassen. Damit steht dir automatisch ein Freibetrag, auch Entlastungsbetrag genannt, von jährlich 1908 Euro zu. Für jedes weitere Kind erhöht sich der Betrag um 240 Euro. Genauso wie andere Eltern hast auch du Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag. Wenn du keinen Unterhalt von deinem Ex-Partner bekommst, dann gewährleistet der Staat einen Unterhaltsvorschuss. Das sind bei Kindern unter sechs Jahren 154 Euro monatlich, im Alter zwischen sechs und zwölf 205 Euro und bis zum 18. Lebensjahr 273 Euro. Bei Bezug von Arbeitslosengeld II und wenn das Kind älter als zwölf ist, muss der Unterhaltszuschuss mit dem Jobcenter geklärt werden.
Bei akuter Krankheit deinerseits kannst du die Krankenkasse um eine Haushaltshilfe bitten. Ob die Kasse die Kosten übernimmt, wird dann im Einzelfall entschieden.