Das Baby kommt!

Nach neun Monaten ist es endlich so weit: dein Baby kommt! Bis es auf der Welt ist, habt ihr noch eine ganz schöne Hürde vor euch, denn die Geburt wird dir einiges an Energie abverlangen. Medizinisch betrachtet beginnt die Geburt mit der Öffnung des Gebärmuttermundes und endet mit dem Ausstoß der Plazenta, die auch Nachgeburt genannt wird. Eine Geburt lässt sich in verschiedene Phasen aufteilen, die ineinander übergehen und nicht immer eindeutig zu trennen sind. Über die Einzelheiten der unterschiedlichen Phasen möchte ich dich hier informieren.

Die Eröffnungsphase

Die Eröffnungsphase ist zugleich auch die längste Phase und kann bis zu 12 Stunden dauern. Sie beginnt mit einer Eröffnungswehe und endet mit der vollständigen Öffnung des Muttermundes. Damit sich der Muttermund bis auf ca. zehn Zentimeter öffnen kann, braucht es Wehen. Dabei drückt sich das Baby mit seinem Köpfchen in den Gebärmutterhals und weitet ihn.

Die Eröffnungsphase wird in drei Zeiträume eingeteilt und beginnt mit dem längsten Abschnitt, der Latenzphase. Vor allem beim ersten Kind kann dieser Zeitraum sehr lange (bis zu acht Stunden) dauern. Bei weiteren Kindern geht das dann meist schneller. Während der Gebärmutterhals sich verkürzt und der Muttermund sich öffnet, sind noch immer leichte Spaziergänge oder Bäder möglich, je nachdem, was am entspannendsten für dich ist. Den richtigen Zeitpunkt, ins Krankenhaus oder Geburtshaus zu fahren, kannst du mit der 5-1-1-Regel bestimmen. Das bedeutet, wenn die Wehen alle fünf Minuten auftreten, eine Minute andauern und dieses Muster seit einer Stunde vorliegt.

In der Aktivphase werden die Wehen dann stärker, der Muttermund ist etwa vier bis sechs Zentimeter weit geöffnet. Es kommt durch die starken Wehen nicht selten zum Blasensprung. Öffnet sich die Fruchtblase nicht von selbst, wird sie eventuell per Amniotomie geöffnet, um die Wehen zu verstärken und die Geburt zu beschleunigen. Dabei wird die Fruchtblase vom Arzt oder der Hebamme mechanisch geöffnet, indem ein hakenförmiges Instrument über die Vagina durch den geöffneten Muttermund geführt wird. Die Fruchtblasenmembran kann dann angestochen und zum Platzen gebracht werden. Das Ganze passiert in der Regel schmerzfrei. Meist dauert die Aktivphase drei bis fünf Stunden und wird dann von der ca. einstündigen Übergangsphase abgelöst. Die Wehen werden dann sehr heftig, da der Muttermund sich komplett öffnet. Idealerweise liegt der Kopf des Kindes dann in der richtigen Position, mit dem Kopf nach unten. In dieser anstrengenden Phase ist es sehr wichtig, auf die Atmung zu achten und die Wehenpausen zur Erholung zu nutzen.

Die Austreibungsphase

Die Wehen treten nun etwa alle zwei bis fünf Minuten auf und halten eine bis eineinhalb Minuten an und du hast das Gefühl, dringend mitschieben zu müssen. Wie lange du das tust,, ist unterschiedlich und kann zwischen einer bis drei Stunden, eventuell sogar länger dauern. Deine Hebamme wird dich beim Atmen und Mitschieben unterstützen. Auch dein Baby arbeitet mit, indem es die Arme und Beine eng am Körper hat und sich Richtung Ausgang drückt. Damit der Kopf zum Vorschein kommen kann, weiten sich auch Scheide und Damm. Durch die Wehen wird der Kopf in der Regel von alleine herausgeschoben. Unter Umständen muss ein Dammschnitt vorgenommen werden, um die Geburt zu erleichtern. Ist der Kopf einmal draußen, hast du den größten Teil geschafft, denn dann rutscht der zarte Körper ganz einfach in der nächsten Wehe nach. Wenn dein Baby sich den Weg gebahnt hat, kann es dir auf den Bauch gelegt werden, oder du nimmst es selbst auf. In der Regel ist die Nabelschnur noch dran und wird erst durchtrennt, sobald sie auspulsiert hat.

Die Nachgeburt

Auch wenn dein kleines Wunder es auf die Welt geschafft hat, wirst du noch ein paar Nachwehen haben, damit auch die Nachgeburt erfolgen kann. Diese Wehen werden aber von den meisten Frauen als kaum noch schlimm empfunden. Die Hebamme wird überprüfen, ob Plazenta, Nabelschnur und Eihäute vollständig ausgestoßen wurden, damit keine Teile in der Gebärmutter zurückbleiben, denn das könnte zu Komplikationen führen.

Nach der Geburt, unabhängig davon, ob die Plazenta schon geboren ist oder nicht, frierst und zitterst du vielleicht und fühlst dich wackelig auf den Beinen, aber das ist angesichts der Strapazen der Entbindung ganz normal. Eine warme Decke kann in diesem Fall angenehm sein. Ein weiterer Grund für das Zittern ist die starke Ausschüttung von Oxytocin im Körper, dem Liebeshormon – oft ein wunderbarer überwältigender Moment.

Stuhlgang und Urin bei der Entbindung

Auch wenn eine Geburt das natürlichste der Welt ist, ist es vielen Frauen unangenehm, allen Beteiligten der Geburt den Intimbereich zu zeigen. Verstärkt wird diese Scham oftmals noch durch die Angst, bei der Geburt Stuhlgang zu haben oder die Blase entleeren zu müssen. Das passiert sogar relativ häufig und hat auch einen guten Grund. Dass sich der Darm bei der Geburt entleert, ist normal, denn der Geburtskanal liegt direkt neben dem Enddarm. Um seinen Weg in die Welt zu finden, braucht dein Baby Platz, und den bekommt es! Um das zu ermöglichen, Dein Körper scheidet alles aus, um den Weg frei zu machen. Verstärkt wird das durch den Druck, der auf deinen Körper ausgeübt wird. Häufig entleert sich der Darm deswegen schon auf natürliche Weise vor der Geburt, um diese zu erleichtern. Wahrscheinlich wird man dir raten, vorher auch noch einmal auf Toilette zu gehen. Das ist aber nicht immer möglich, und so kann es passieren, dass sich Darm und Blase durch den Druck, den das Köpfchen im Becken auf den Darm ausübt, bei der Geburt entleeren. Sollte das passieren, wird die Hebamme dezent alles entfernen. Du bekommst das kaum oder sogar gar nicht mit, denn du bist zu diesem Zeitpunkt mit etwas ganz anderem beschäftigt: der Geburt deines Kindes!

Auf keinen Fall solltest du versuchen, das Entleeren von Blase oder Darm zu unterdrücken, denn so würdest du auch dein Baby zurückhalten und die Geburt erschweren.

Wenn du den ausdrücklichen Wunsch äusserst oder unter Verstopfungen leidest, kannst du vor der Geburt auch einen Einlauf bekommen. Aber denke daran, dass die körperlichen Zusammenhänge normal und den Hebammen und Ärzten bekannt sind. Du musst dich also nicht dafür schämen und unnötig Angst oder Scham haben.