Die Rolle des Vaters bei der Geburt

Fast alle Männer begleiten ihre Frau heutzutage in den Kreißsaal, um bei der Entbindung dabei zu sein und der Partnerin beiseite zu stehen. Ein aufregendes Ereignis! Für den Mann ist es nicht leicht zu sehen, dass die Partnerin Schmerzen hat und man(n) nicht wirklich viel tun kann. Manchmal fühlen sich Väter bei der Entbindung überfordert und überflüssig, da sie nicht wissen, wie sie am besten helfen können. Es gibt aber einiges, was sie schon im Vorhinein unterstützend tun können. Auch bei der Geburt gibt es wichtige Rollen des Partners als Geburtsbegleiter.

Wie Mann sich vorbereiten kann

Zuallererst sollten sich sowohl du als auch dein Partner die Frage stellen, ob ihr beide gemeinsam in den Kreißsaal wollt. Nur weil die meisten Frauen sich von ihren Männern begleiten lassen, sollte der Partner immer noch die Wahl haben, ob er das wirklich möchte. Und auch du solltest dich ehrlich dazu äußern. Oft bringen Frauen auch ihre Mutter oder eine gute Freundin zur Entbindung mit. Nichts stört am Ende mehr, als ein Geburtsbegleiter, der eigentlich gar nicht da sein will.
Wenn ihr euch aber beide dazu entschieden habt, die Geburt gemeinsam zu erleben, kann der werdende Vater sich etwas vorbereiten. In den Vorbereitungskursen wird die Basis geliefert, ein guter Begleiter zu sein. Dort erfährt auch der Partner alles über die Geburt und den Verlauf. Wer weiß, was passiert, ist entspannter. Auch Väter haben Fragen und Sorgen, die sie hier loswerden können, manchmal sogar in reinen Männerrunden. 
Die Kliniktasche muss nicht nur für die werdende Mutter, sondern auch für den Vater gepackt werden. Am besten mit Snacks, Getränken, einer Zahnbürste und Wechselklamotten. Auch eine Kamera ist nicht verkehrt, wenn der Moment nach der Geburt festgehalten werden soll. Stelle bei deinem Smartphone aber bitte den Ton aus und frage sicherheitshalber nach, ob es im Krankenhaus erlaubt ist.
Zu einer guten Vorbereitung empfiehlt es sich auch, den Weg ins Krankenhaus oder ins Geburtshaus vorher einmal abzufahren und sich über mögliche Baustellen oder Verzögerungen zu informieren.

Unterstützung bei der Geburt

Wenn es dann soweit ist, kann dein Geburtsbegleiter auch unmittelbar vor und bei der Entbindung helfen – Hauptsächlich mit seiner puren Anwesenheit. Eine Geburt dauert in der Regel lange und ist kräftezehrend. Ihr werdet Hochs und Tiefs erleben, aber dein Begleiter muss akzeptieren, dass er dir den Schmerz nicht nehmen kann. Das wichtigste ist der Halt und die Sicherheit, die er dir vermitteln kann. Dein Partner kann dir beistehen und sich um deine Bedürfnisse kümmern. So kann er darauf achten, dass du ausreichend trinkst und isst, kann dich massieren und so für Entspannung sorgen. Wenn du zur Wehenförderung noch ein paar Schritte gehen sollst, kann er dich stützen und dir auch immer wieder Mut zusprechen. Während der Entbindung empfinden es viele Frauen als angenehm, wenn sie Kreuzbein- oder Berührungsmassagen bekommen. Was das ist und wie das geht, lernt ihr in den Kursen. Auch die Hand zu halten, hilft den meisten Frauen sehr beim Entbinden. Da dein Partner dich und deine Wünsche und Bedürfnisse am besten kennt, kann er notfalls für dich sprechen, wenn du unter Schmerzen nicht mehr in der Lage dazu bist. Er kann außerdem den Hebammen und Ärzten Fragen stellen, beispielsweise, wie weit die Geburt vorangeschritten ist. Das kann dir Sicherheit geben. Um dir nicht unnötig Stress aufzubürden, sollte auch dein Begleiter ruhig und entspannt sein. Studien zufolge kann das Schmerzempfinden der Frau gelindert werden, wenn ihr Partner bei der Entbindung Ruhe und Zuversicht ausstrahlt. Ein permanentes Starren auf die Anzeigen der technischen Geräte hilft übrigens nicht wirklich 😉
Wenn es zu viel wird, kann dein Begleiter ruhig auch mal raus gehen, sich einen Kaffee holen oder frische Luft schnappen. Teilweise wirkt das für die Frau sogar entspannender, als wenn sie einen Begleiter bei sich haben, der sich durchweg sorgt.
Auch wenn ihr vielleicht schon eine genaue Vorstellung der Geburt habt, seid euch bewusst: Es kann immer anders kommen. Zum einen kann es zu ungeplanten Eingriffen bei Komplikationen kommen, zum anderen möchtest du vielleicht doch nicht angefasst werden, auch wenn du diesen Wunsch vorher noch geäußert hast. Unter den Wehen schreist und schimpfst du eventuell auch. Das ist okay! Dein Partner sollte sich dessen bewusst sein und in der Lage sein, das dann auszuhalten und bei dir zu bleiben.
Ihr solltet auch vorher schon abklären, was der Partner sehen darf und auch möchte. Idealerweise stellt sich der Begleiter bei der Entbindung neben oder hinter dich[RH2]  an deinen Kopf. Ihm sollte auch bewusst sein, dass man lange Zeit nichts Konkretes von ihm verlangen wird. Er hält sich eher im Hintergrund und hilft mit seiner Anwesenheit. Die möglichen Hilfestellungen, die er dir geben kann, lernt ihr im Geburtsvorbereitungskurs.
Ist das Kind auf der Welt, wird nach einer Weile die Nabelschnur durchtrennt. Dazu wird sie an der richtigen Stelle abgeklemmt. Dem Vater wird oft die Möglichkeit gegeben, sie selbst durchzuschneiden. Er darf, aber muss das nicht tun. Es ist allerdings ein sehr besonderes Erlebnis, das die meisten Männer nicht missen wollen.
Dann wird das Baby meist erst einmal auf deine nackte Brust gelegt, bevor es dann auch zu deinem Partner darf. Sollte es bei dir zu Komplikationen kommen, dann wird dein Baby schon eher deinem Begleiter überreicht.
Während du nach einem Kaiserschnitt noch nicht in den Kreißsaal oder auf die Station gebracht wirst, wird dein Partner mit dem Baby zur Hebamme gehen, die auch die Erstuntersuchung durchführt. Das Kind bekommt außerdem zum ersten Mal Vitamin K, dabei darf dein Partner gerne schon mithelfen.
Nach einem Kaiserschnitt ist es auch sehr praktisch, wenn dein Partner das Wickeln übernehmen kann, wenn Dir längeres Stehen noch weh tut. In manchen Krankenhäusern gibt es die Möglichkeit, ein Familienzimmer zu buchen.
Auch wenn es dann für euch nach ein paar Tagen nach Hause geht, kann dein Partner dir sehr viel helfen, indem er sich um den Haushalt kümmert, für deine Ruhe sorgt und dich beim Stillen unterstützt. Er kann sich auch um die Formalitäten kümmern und euer Kind beim Standesamt anmelden, was meist schon im Krankenhaus möglich ist. Damit du die Ruhe bekommst, die dir nach den Strapazen der Geburt zusteht, sollte er auch dafür sorgen, dass nicht zu viel Besuch vor der Tür steht und diesen höflich abweisen, wenn es zu viel wird.