In den Wehen liegen

Kurz vor der Geburt kommt es zu Wehen. Das ist bekannt. Aber wie fühlen sich Wehen eigentlich an? Und was passiert dabei? Welche Arten von Wehen gibt es? Und bedeutet jede Wehe, dass die Geburt unmittelbar bevorsteht? Das Gefühl einer Wehe zu beschreiben, ist tatsächlich nicht ganz einfach. Nicht umsonst hören Schwangere oftmals den Satz „Wenn du dir unsicher bist, ob es eine Wehe ist, dann ist es keine”, oder man würde es schon merken, wenn es denn eine sei. Hilfreich ist das natürlich nicht, deswegen möchte ich dir hier gerne einen Überblick geben.

Was sind Wehen?

Zieht sich die Gebärmutter zusammen und verhärtet sich dabei, entsteht eine Wehe. Das Zusammenziehen ist rhythmisch und für die meisten Frauen auch schmerzhaft. Die Kontraktionen der Gebärmutter treten aber nicht nur bei der Entbindung auf, sondern auch schon vor und auch nach der Geburt. In den letzten vier Wochen vor der Geburt verkürzen sie den Gebärmutterhals und bereiten auf die Eröffnung des Muttermundes vor und unterstützen das Baby, seinen Kopf in den Beckeneingang zu senken. Nach der Geburt stoßen die Nachwehen die Nachgeburt aus und sind wichtig, damit sich die Blutgefäße der Gebärmutter wieder zusammenziehen.

Manche Frauen beschreiben Wehen als Unterleibsschmerzen ähnlich wie bei der Periode, nur deutlich stärker. Andere Frauen vergleichen sie mit sehr starken Bauchkrämpfen. Das Schmerzempfinden ist bei jeder Frau anders und kann nicht pauschalisiert werden.

Wehen unterscheiden und erkennen.

Zu sogenannten Übungswehen kann es schon deutlich vor der Geburt kommen. Dieses Training der Gebärmutter ist harmlos: es handelt sich in den seltensten Fällen um vorzeitige Wehen. Die Übungswehen treten ab der 20. Woche auf und werden beim ersten Auftreten meist kaum wahrgenommen. Im Laufe der Schwangerschaft können diese Wehen aber stärker werden. Das ist aber ganz normal und ungefährlich.

Du erkennst sie daran, dass sie unregelmäßig und wenig schmerzhaft sind. Wenn sie mehr als drei oder vier Mal stündlich oder mehr als zehn Mal am Tag auftreten, solltest du Kontakt zu deiner Hebamme oder deinem Arzt aufnehmen. Wenn du vor der 36. Schwangerschaftswoche Wehen hast, die regelmäßiger werden oder von Blutungen, Ausfluss oder Schmerzen im Unterleib oder Rücken begleitet werden, kann es sich um vorzeitige Wehen handeln. Wenn dich diese verunsichern oder du Sorge hast, kannst du dich vom Arzt oder deiner Hebamme kontrollieren lassen. Auch ziehende Schmerzen im Unterleib sowie Rückenschmerzen in Kombination der Wehen deuten auf Geburtswehen hin. Weil eine Frühgeburt drohen kann, bitte sofort einen Arzt aufsuchen. Teilweise können die Wehen durch wehenhemmende Mittel gestillt und die Geburt hinausgezögert werden, wenn es noch zu früh für eine Geburt ist.

Schiebt sich das Kind eine Woche vor der Geburt ins Becken, kommt es zu Vorwehen. Da sich der Bauch der Mutter durch die Lageveränderung des Kindes „senkt”, spricht man auch von Senkwehen.

Sobald die Geburtswehen eintreten, spannt sich zuerst die Muskulatur des oberen Teils der Gebärmutter an und dehnt den Muttermund passiv. Diese Wehen während der Geburt werden unterteilt in:

      Eröffnungswehen: Sie leiten die Geburt ein und sorgen für die Weitung des Muttermundes auf ca. zehn Zentimeter

      Presswehen: Sie schieben das Kind zum Beckenausgang und durch die Scheide

      Nachgeburtswehen: Sie sorgen dafür, dass nach der Geburt die Plazenta / die “Nachgeburt” geboren wird

      Nachwehen: Sie unterstützen nach der Entbindung bei der Rückbildung der Gebärmutter und stillen Blutungen

Wenn du dir unsicher bist, um welche Wehen es sich handelt, gehe lieber zum Arzt, in die Klinik, oder kontaktiere deine Hebamme. Wenn es noch nicht so weit ist, wird man dich wieder nach Hause schicken, aber das ist nicht schlimm und passiert oft. Lieber einmal zu viel zum Arzt oder in die Klinik gehen oder die Hebamme rufen, als zu lange zu warten.

Was hilft, den Schmerz zu lindern?

Die Natur hat sich auch für die starken Schmerzen während einer Geburt etwas einfallen lassen: Bei einer natürlichen Geburt werden im Gehirn Endorphine ausgeschüttet, die als natürliches Mittel gegen Schmerzen und für Entspannung wirken. Ganz weg gehen die Schmerzen nicht, aber sie können etwas abgeschwächt werden. Besonders hilfreich ist eine bewusste und intensive Atmung, die schon während der Geburtsvorbereitungskurse geübt wird. Versuche auf keinen Fall, gegen die Wehen anzukämpfen, denn das kann ebenso wie ein Verkrampfen und falsche Atmung zur Verstärkung der Schmerzen führen. Auch wenn es sich leicht sagt: Entspannung hilft am allerbesten. Nimm eine bequeme Stellung ein und variiere sie bei Bedarf.

Wenn dein Partner oder deine Partnerin dabei ist, kann er/sie dich massieren und so für Entspannung sorgen.

Sind die Schmerzen unerträglich, gibt es auch die Möglichkeit, Schmerzmittel zu verabreichen. Ein sehr gängiges Schmerzmittel ist die Periduralanästhesie (PDA), die vor allem bei einem langen Geburtsverlauf gegeben wird. Es gibt aber auch entkrampfende Zäpfchen, die bei der Muttermundöffnung helfen. Kommt es zum Kaiserschnitt, wird eine Spinalanästhesie vorgenommen. Auch wenn du dich vor der Geburt gegen Schmerzmittel oder eine PDA entschieden hast, kannst du dich während der Geburt noch umentscheiden.

Manchen Frauen hilft es auch, sich den Weg des Kindes bildlich vorzustellen und die wellenartig auftretenden Wehen mit dem Meer zu vergleichen. Ganz egal, welcher Gedanke dir hilft, dich zu entspannen: Hauptsache, du entspannst dich. Du kannst auch versuchen, die Wehen als „Mittel zum Zweck” zu sehen. Sie sind notwendig, um dein Kind auf die Welt zu bringen. Deshalb kannst du ihnen vielleicht sogar mit Dankbarkeit begegnen.

Auch wenn die Schmerzen teilweise unerträglich scheinen, denke immer daran, dass du schon ganz bald dein Kind im Arm halten wirst. Ihr seid nur ein paar Wehen voneinander entfernt, und sobald dein Baby da ist, sind all die Schmerzen und Strapazen fast vergessen.