Körperliche Beschwerden während der Schwangerschaft Teil 1: Geschwollene Beine, Sodbrennen, Krampfadern und Hämorrhoiden

Geschwollene Beine

Geschwollene Beine und Füße sind ein verbreitetes Phänomen in der Schwangerschaft. Die Schwellungen resultieren von Wassereinlagerungen im Gewebe, umgangssprachlich „Wasser in den Beinen“ genannt. Die Ansammlung an Flüssigkeit in Beinen, Knöcheln und Füßen ist in der Schwangerschaft hormonell bedingt und hängt mit der Weitung der Blutgefäße und einem erhöhten Blutdruck zusammen. Besonders die hohen Temperaturen im Sommer verstärken diese Beschwerden.
Wenn geschwollene Knöchel und Füße dich quälen, solltest du die Beine hochlegen. Auch kühle Wickel wirken Wunder. Du kannst den Schwellungen auch vorbeugen, indem du nicht zu lange stehst oder sitzt, sondern dich regelmäßig bewegst und leichten Sport treibst. Ich empfehle dir, ein paar Stützstrümpfe zu besorgen. Diese helfen nicht nur bei geschwollenen Beinen, sondern beugen auch Krampfadern vor, zu denen du in der Schwangerschaft vermehrt neigst.
Sollten die Schwellungen plötzlich auftreten, nicht nachlassen oder an Gesicht und Händen auftreten, solltest du einen Arzt aufsuchen. Bei diesen Symptomen besteht die Möglichkeit auf eine Gestose/Präeklampsie. Dies ist eine Bluthochdruck-Erkrankung, die in der Schwangerschaft auftreten kann und von einem Arzt behandelt werden muss.

Krampfadern und Hämorrhoiden

In der Schwangerschaft besteht ein höheres Risiko für Krampfadern und Hämorrhoiden. Um die Bildung von Krampfadern zu vermeiden, empfiehlt es sich, Stützstrümpfe zu tragen, die das Gewebe und die Venen darin stützen. Vorbeugung ist hier besonders wichtig, denn wenn die Venenklappe erst einmal beschädigt ist, lässt sie sich nicht mehr reparieren. Lediglich ein operativer Eingriff bei besonders schmerzhaften oder störenden Krampfadern ist dann noch möglich. Regelmäßige Bewegung wie Spaziergänge sind gut für die Durchblutung und wirken der Krampfaderbildung entgegen. Du solltest auch nicht zu lange sitzen oder liegen und des Öfteren die Beine hochlegen.
Ein weiteres Problem sind Hämorrhoiden. Das sind geweitete Blutgefäße in der Schleimhaut des Rektums, die sich über einen starken Juckreiz und ein Brennen bemerkbar machen und auch beim Sitzen oder Stuhlgang Schmerzen verursachen können. Eine ballaststoffreiche Ernährung empfiehlt sich, und Kamillenbäder können die Reizung lindern. Auch wenn es unangenehm ist, kann es hilfreich sein, einen Arzt aufzusuchen.

Ausfluss

Der vaginale Ausfluss kann in der Schwangerschaft vor allem zu Beginn stärker sein, als du es gewohnt bist. Dies wird von den hormonellen Umstellungen in deinem Körper verursacht und muss dich nicht beunruhigen. Es ist gut, wenn du Farbe und Geruch des Ausflusses im Auge behältst. Sollte er schlecht riechen oder leicht gelblich verfärbt sein, sind das Hinweise auf eine Infektion. Auch dein Frauenarzt überprüft per Abstrich bei allen Untersuchungen, ob eine Infektion mit Bakterien vorliegt. Ist dies der Fall, ist eine medikamentöse Behandlung nötig. So kann dein Arzt dir zum Beispiel ein Vaginalzäpfchen verschreiben, das die Infektion beseitigt und keinen weiteren Einfluss auf den Organismus nimmt. Um die Vaginalflora wieder herzustellen, gibt es verschiedene Produkte, die stärkend auf die Vaginalflora wirken. Du kannst auch einfach auf ein bewährtes Hausmittel zurückgreifen und einen Tampon in Joghurt tränken, diesen dann einführen und über Nacht in der Scheide lassen. Die Milchsäurebakterien im Joghurt unterstützen die Vaginalflora.
Solltest du eine Infektion haben, ist der Besuch beim Arzt wichtig. Auch dein Partner sollte sich behandeln lassen, denn Infektionen sind sexuell übertragbar. Lässt nur du dich behandeln, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du dich bei deinem Partner erneut ansteckst. Es ist ratsam, eine Zeit lang Kondome zu verwenden.

Sodbrennen

Viele Frauen haben Sodbrennen in der Schwangerschaft. Dabei handelt es sich um ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein oder um einen aufsteigenden, brennenden Schmerz vom Bauch zum Hals. Diese Symptome sind bedingt durch ein Aufsteigen von Magensäure in die Speiseröhre. Je nachdem, wie sehr die Speiseröhre dabei verletzt wird, kann das Sodbrennen von einem unangenehmen Gefühl bis zum Schmerz reichen. Begleitet sein kann dies von einem Völlegefühl, von Krämpfen, saurem Aufstoßen oder einem Kloßgefühl im Bauch. Während deiner Schwangerschaft kannst du öfter Sodbrennen bekommen, vor allem ab der zweiten Schwangerschaftshälfte. Grund dafür ist die immer größer werdende Gebärmutter, die auf den Magen drückt und diesem nicht viel Platz für seine Arbeit lässt. Kommt zu dem ohnehin geringen Platz noch Essen, kann es passieren, dass die Magensäure in die Speiseröhre dringt. Dies hängt auch mit dem Verschlussmuskel der Speiseröhre zusammen, der diese vom Magen und seiner Säure trennt. Hormonell bedingt kann dieser Muskel geschwächt sein und die Magensäure kann eher nach oben in die Speiseröhre gelangen, wo sie zu leichten Verätzungen führt.
Fette Speisen, Süßes, Säurehaltiges, Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke und Stress belasten den Magen und fördern das unangenehme Sodbrennen. Ich rate dir zu einer fettarmen und ballaststoffreichen Ernährung. Ist deine Speiseröhre bereits etwas angegriffen solltest du eine Zeit lang nichts zu Heißes oder zu Kaltes trinken und auch Kaffee oder Tee vermeiden. Haferflocken sind beispielsweise ein gesundes Frühstück oder eine Stärkung für zwischendurch und beugen dem Sodbrennen vor. Auch Nüsse, ein Glas Milch oder Weißbrot können helfen, die Säure im Magen zu neutralisieren. Bei akuten Beschwerden kannst du dir schonende Medikamente aus der Apotheke holen. Dabei solltest du den Apotheker darüber informieren, dass du schwanger bist. Am besten ist es natürlich immer, die Einnahme von jeglichen Medikamenten vorher mit dem Arzt abzusprechen.

Für den Umgang mit den verschiedenen Beschwerden, die in der Schwangerschaft auftreten können, möchte ich dir einen Rat geben: Mache dir keine unnötigen Schuldgefühle. Viele Frauen vermuten ein persönliches Versagen dahinter, wenn sie an diesen Problemen leiden. Natürlich solltest du dich in der Schwangerschaft gesund ernähren, ausreichend bewegen und Stress reduzieren, aber manchmal hilft selbst all das nicht, um alle Beschwerden zu vermeiden. Vergiss nicht, dass dein Körper keine Maschine ist und dass er zurzeit eine große Herausforderung und Anstrengung durchlebt. Dein Körper leistet schon sehr viel damit, dass er dein Baby nährt und schützt. Dass andere Dinge dabei ab und zu in ihrer Funktion auf der Strecke bleiben ist nur normal und heißt nicht, dass du nicht gesund und achtsam bist. Mach dir also keine unnötigen Vorwürfe, höre auf deinen Körper und suche den Rat von Arzt und Hebamme, wenn bestimmte Beschwerden dich zu sehr belasten.