Meine Freunde haben keine Kinder

Die Schwangerschaft ist ein ganz besonderes, spannendes und einmaliges Erlebnis. Wenn das Kind kommt, ändert sich dein ganzes Leben. Aber auch das deiner Freunde kann sich dadurch ändern. Viele deiner Freunde sind vielleicht noch kinderlos, oder du bist sogar die erste Mama im Freundeskreis. Auch wenn sich alle für dich freuen, kann das manchmal auch schwierig sein.

Das Problem der Vorwürfe und gut gemeinter Ratschläge

Früher seid ihr um die Häuser gezogen, ward in Bars und habt die Nacht zum Tag gemacht. Heute bist du froh, wenn du eine Nacht durchschlafen kannst und einfach mal nichts tun musst. In deinem Leben hat nun das Versorgen deines Kindes den größten Platz eingenommen. Das verstehen nicht unbedingt all deine Freunde.
Auch andere Themen spielen nun für dich eine Rolle. Statt für die neusten Modetrends interessierst du dich nun wahrscheinlich eher für geeignete Breikost und die besten Erziehungsmethoden, oder sorgst dich um den ersten Zahn oder einen Fieberschub deines Babys. Das soll nicht heißen, dass die früheren Interessen überhaupt keine Rolle mehr spielen, aber es ist normal, wenn andere Themen nun in den Vordergrund rücken. Was also tun, um sowohl deiner Familie als auch deinen Freunden gerecht zu werden?
Problematisch kann es bei Nicht-Mamis sein, dass sie der Meinung sind, dir Ratschläge geben zu müssen. Frei nach dem Motto „Also, ich würde das als Mutter ja ganz anders machen”. Fakt ist aber, dass sie sich nicht in deine Rolle hineinversetzen können, wenn sie nicht selbst Kinder haben. Solche gut gemeinten Ratschläge können schnell nerven.
Weil du noch nicht wieder arbeitest und dich zu Hause um dein Kind kümmerst, sind viele der Meinung, du müsstest doch demnach auch den ganzen Tag Zeit haben. Freunde ohne Kinder können sich nur schwer vorstellen, dass Mutter-Sein ein 24-Stunden-Job ist. Sie sind schnell frustriert, wenn du weniger Zeit für sie hast und weniger mit ihnen unternimmst. Unterstützt wird dieser Frust vielleicht sogar noch mit Vorwürfen wie „Als du noch kein Kind hattest, hast du das doch auch immer gemacht”. Dir wird unter Umständen also sogar vorgeworfen, ein Kind bekommen zu haben. Natürlich ist das auch für dich nicht einfach, aber deswegen müsst ihr eure Freundschaft nicht aufgeben.

Was tun?

Um Familie und Freunde unter einen Hut zu bringen, erfordert es vor allem zu Beginn etwas Arbeit und gutes Zeitmanagement. Wenn du aber auf beides nicht verzichten willst, dann ist es das absolut wert. Ihr solltet beide Verständnis füreinander haben. Deine Freunde sollten verstehen, dass du nun privat sehr eingespannt bist und abends oft zu k.o. bist, um etwas zu unternehmen. Zeige ihnen trotzdem, dass sie dir nicht egal sind, und kapsel dich nicht komplett ab. Versetze dich in die Lage deiner Freunde hinein, um auch sie besser zu verstehen. Mit Sicherheit sind sie auch stolz auf das, was du jetzt leisteST. Aber vielleicht hinterfragen sie sich auch selbst, warum sie (noch) keine Kinder haben. Teilweise geraten kinderlose Freunde auch in eine Art „Panik” oder glauben, weniger in ihrem Leben erreicht zu haben, nur weil sie noch keine Familie gegründet haben. Gerade dann kann es für sie sehr anstrengend sein, wenn du mit ihnen nur noch über Baby-Dinge sprichst. Vor allem, wenn du dich mit mehreren Freunden triffst, von denen nur eine Freundin kinderlos ist. Vermeide in diesem Fall eine Überdosis an Baby-Themen, denn die Nicht-Mami wird sich vermutlich nicht wohl fühlen, wenn sie nicht mitreden kann. Vermeide auch die ständige Fragerei, wann es bei deinen Freundinnen auch endlich so weit ist, denn damit baust du unnötigen Druck auf. Auch wenn sich deine Freunde bewusst gegen Kinder entscheiden, sind sie nicht automatisch Kinder-Hasser. Sie werden ihre Gründe haben, also quetsche sie nicht aus.
Du kannst mit Freunden auch eine Vereinbarung treffen, dass sie dich stoppen sollen, sobald du zu viel über dein Kind sprichst. Das passiert – immerhin bist du verdammt stolz auf dein Kind. Das sei dir auch gegönnt, aber versetze dich wie gesagt auch in die andere Lage.
Auch mit Kind kannst du etwas mit Freunden unternehmen. Geht gemeinsam spazieren, auswärts essen, ins Schwimmbad oder in den Zoo. All das geht auch mit einem Kind. Auch auf Geburtstagsfeiern musst du nicht verzichten, sondern kannst dein Kind mitnehmen. Vielleicht gehst du dann früher nach Hause als sonst, aber immerhin warst du dabei und hältst den Kontakt zur „Außenwelt”.
Natürlich können dich deine Freunde auch zu Hause besuchen, wenn dich das entlastet und ihr Lust darauf habt. Kocht gemeinsam und unterhaltet euch, tauscht euch aus und habt Spaß.
Mach dir keinen Vorwurf, wenn du dich nach einem komplett kinderfreien Tag oder Abend sehnst, denn auch das ist völlig normal und verständlich. Bitte deinen Partner, Freunde, Familie oder einen Babysitter, ob sie auf dein Kind aufpassen können. Dann kannst du mit deinen Freunden um die Häuser ziehen wie früher.
Es kann manchmal auch hilfreich sein, sich gegenseitig zu erzählen, was an der momentanen Situation nicht so schön ist. Du vermisst deinen Schlaf und die Ruhe, und deine Freunde sind vielleicht traurig, keine Traditionen weitergeben zu können. Ein Austausch dieser Art kann euch wieder auf eine Ebene heben und enger zusammenbringen.
Auch dein Kind kann davon profitieren, wenn es mitbekommt, dass es auch Paare ohne Kinder gibt. So lernt es beide Konstellationen kennen und sieht, dass es auch andere Lebensformen als die der Eltern gibt.
Ja, das Leben ändert sich mit Kind. Aber das heißt nicht, dass du dein altes Leben komplett wegwerfen musst. Mit Flexibilität, Verständnis und Zeitmanagement ist das alles zu schaffen. Dein Kind wird größer und selbstständiger werden, und je älter es wird, desto mehr Zeit wirst du wieder für dich und auch deine Freunde haben.