Ist Sex in der Schwangerschaft okay? Was ändert sich für die werdende Mutter? Was ändert sich für das Paar?

Mit dem Partner intim werden

Die Schwangerschaft ist eine ganz besondere und sehr intime Zeit, an der auch dein Partner intensiv teilhaben sollte. Es ist schön, gemeinsam zu erleben, wie das Kind wächst und sich stetig weiterentwickelt. Nähe und Zärtlichkeit sind auch in dieser Ausnahmesituation sehr wichtig. Dazu gehört auch Geschlechtsverkehr, doch gibt es bei diesem Thema immer wieder viele verunsicherte Paare. Dürfen wir das überhaupt noch? Merkt unser Baby das? Was es bei Intimitäten zu beachten gibt und wie sich diesbezüglich vor allem auch dein Körper verändert, verrate ich dir in diesem Artikel.

Was ändert sich für mich?

Gerade zu Beginn der Schwangerschaft kann es durchaus sein, dass Frauen ein geringeres sexuelles Verlangen habe. Das liegt meist an der Übelkeit, der Müdigkeit, dem Schwächegefühl oder anderen unangenehmen Begleiterscheinungen. Neben deinem Körper ändert sich auch dein gesamtes Umfeld, an das du dich erst einmal gewöhnen musst. Immerhin bekommst du bald ein Kind.

Nach dieser Eingewöhnungsphase steigt das sexuelle Bedürfnis aber bei den meisten Frauen wieder, und das Sexualleben kann wie gewohnt weitergeführt werden.

Im zweiten Drittel fühlen sich viele Frauen besonders wohl und haben ein gesteigertes Lustgefühl. Manche empfinden den Sex in der Schwangerschaft sogar noch intensiver, da die Gebärmutter und die Genitalien stärker durchblutet sind. Das steigert das Lustempfinden. Viele Frauen kommen nun auch leichter zum Orgasmus, da auch die Klitoris und die Schamlippen besser durchblutet werden. Dein Körper bildet auch mehr Scheidensekret und erhöht damit die Gleitfähigkeit in der Scheide. Deine Brüste werden größer und die Brustwarzen empfindlicher.

Genau das kann auch dazu führen, dass Berührungen in diesen Bereichen sich unangenehm anfühlen oder sogar schmerzhaft sind. Demnach ist es auch normal und verständlich, wenn du kein sexuelles Interesse verspürst. Jede Frau ist anders, und das Verlangen kann sich im Verlauf der Schwangerschaft auch immer wieder ändern.

Auch gegen Ende der Schwangerschaft kannst du Sex mit deinem Partner haben. Nur kann es natürlich sein, dass du durch den großen Bauch eingeschränkt in deiner Bewegung bist und dich auch nicht mehr ganz so fit fühlst. Nicht selten fühlen sich Frauen durch den enorm großen Bauch im letzten Drittel auch weniger attraktiv. Gerade dann solltest du mit deinem Partner darüber reden, was in dir vorgeht.


Auch gegen Ende der Schwangerschaft kannst du Sex mit deinem Partner haben!

Was ändert sich für uns und worauf ist zu achten?

Bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft spricht absolut nichts gegen Intimität mit deinem Partner. Ihr braucht keine Angst zu haben und solltet die Zeit und Zärtlichkeit zu zweit genießen. Immerhin ist es mit der Zweisamkeit schon bald vorbei, und ihr werdet die meiste Energie für euer Kind aufwenden.

Die am häufigsten gestellte Frage ist wohl, ob Sex dem Kind schadet bzw. was es davon überhaupt mitbekommt. Ihr könnt beruhigt sein, da das Kind durch die Fruchtblase, die es umgibt, nicht berührt werden kann. Vor Erschütterungen oder Lageveränderungen wird es dadurch geschützt.. Es wird also in keinster Weise Schaden dadurch erleiden oder verletzt werden. Manche Kinder befördert das Schaukeln sogar in den Schlaf. Kommst du zum Orgasmus, merkt dein Kind zwar den schnelleren Herzschlag, Wehen werden dadurch aber nicht ausgelöst. Auch diese Angst ist somit unbegründet.

Der zähe Schleim, der den Gebärmutterhals verschließt, „schützt” dein Kind auch vor dem Ejakulat. Die in der Samenflüssigkeit enthaltenen Prostaglandine können Wehen fördern, die Dehnung der Gebärmutter unterstützen und somit sogar als Geburtsvorbereiter dienen. Wehen werden aber nur dann ausgelöst, wenn die Geburt kurz bevorsteht.

Hat die Mutter Spaß am Sex, wirkt sich das auch positiv auf das Ungeborene aus, denn das spürt die Gefühle der Mutter schon im Bauch. Studien ergaben sogar, dass regelmäßiger Sex in der Schwangerschaft das Risiko einer Frühgeburt senken kann.

Ratsam ist eine normale, regelmäßige Intimhygiene beider Partner, um das Risiko genitaler Infektionen oder Blasenentzündung zu minimieren. Das gründliche Waschen mit Wasser reicht dabei völlig aus. Gehst du außerdem innerhalb von zehn Minuten nach dem Sex auf die Toilette, können Bakterien zusätzlich durch das Ausspülen minimiert werden. Ebenfalls unterstützend wirken Cranberrysaft, Lebensmittel mit viel Vitamin C oder auch das Benutzen eines Kondoms.

Generell kann man Sex selbst eine Woche vor der Geburt bedenkenlos genießen, sofern das Bedürfnis danach besteht. Vielleicht entwickeln sich bedingt durch den größer werdenden Bauch neue Stellungen, wovon euer Sexleben vielleicht sogar profitiert. Im letzten Drittel bieten sich zum Schutz von Bauch und den empfindlichen Brüsten vor allem die Löffelchen-, Reiter-  oder Hündchenstellung an. Probiert aus, wie es euch am besten gefällt und wie es sich für euch am besten anfühlt.

Für euch beide bricht bald ein neuer Lebensabschnitt an, der viel Neues und viele Änderungen mit sich bringt. Ihr macht euch vielleicht Sorgen um das ungeborene Kind, die Zeit danach, eure Partnerschaft oder auch die bevorstehenden Anforderungen. Angst und Stress senken natürlich auch das sexuelle Verlangen. Es ist durchaus in Ordnung, dass es jetzt auch Wichtigeres gibt als Sex. Was immer für euch jetzt wichtig ist, ist richtig!

Redet offen und ehrlich über eure Wünsche und Bedürfnisse, und geht aufeinander ein. Zur Unterstützung kann bei starken Unsicherheiten und Ängsten auch ein Gespräch mit der Hebamme helfen.

Wann sollte auf Sex verzichtet werden?

Es kann durchaus Gründe geben, bei denen vom Geschlechtsverkehr abgeraten wird. Dazu gehören vor allem vorausgegangene Fehlgeburten, Blutungen, Wehen oder Hinweise auf einen vorzeitigen Blasensprung. Weitere Gründe, die gegen Sex sprechen, sind eine Scheideninfektion, ein verkürzter Gebärmutterhals, eine Uterusfehlbildung, eine Plazentainsuffizienz (die Plazenta arbeitet nicht richtig) oder eine Placenta praevia (die Plazenta liegt vor dem Muttermund).

Auch bei Mehrlingsschwangerschaften ist Vorsicht geboten. Sprich darüber am besten mit deiner Hebamme oder deinem Arzt. Generell helfen sie dir bei Unsicherheiten oder weiteren Fragen gerne weiter und können dir/euch mögliche Ängste und Sorgen nehmen.