Sein Kind jemand anderem anvertrauen

In der ersten Zeit mit dem Baby bleibt in der Regel wenig Freiraum für Zweisamkeit. Umso verständlicher ist der Wunsch, endlich mal wieder einen Abend zu zweit zu verbringen, auszugehen und morgens mal wieder ausschlafen zu können. Doch ab wann kann man das eigene Kind jemand anderem anvertrauen? Darf ich mein Baby alleine lassen? Kann auch ein Babysitter auf das Kind aufpassen? Wie findet man überhaupt den richtigen? All das und welche Vorkehrungen außerdem getroffen werden sollten, erfährst du in diesem Artikel.

Darf ich mein Baby alleine lassen?

Gesetzlich sind Eltern dazu verpflichtet, ihr Kind zu beaufsichtigen, damit weder ihm noch Dritten Schaden zugefügt wird. Bis zu welchem Alter ein Kind für wie lange allein gelassen werden kann? Dafür gibt es keine konkrete Vorgabe, sondern es muss von Eltern selbst ermessen werden.
Rein rechtlich gilt: Je jünger das Kind ist, desto strenger sind die Aufsichtsauflagen. Theoretisch sollte ein Kind deswegen bis zu einem Alter von drei Jahren nicht allein gelassen werden. Wer sein Kind in diesem jungen Alter mehrere Stunden alleine lässt, verletzt seine Aufsichtspflicht.
Aber was, wenn du nur zum Briefkasten willst? Kannst du dein Kind dann kurz unbeaufsichtigt lassen? Grundsätzlich musst du als Elternteil dafür sorgen, dass dein Kind weder körperlichen, noch seelischen Schmerz erfährt. Wenn du die Schlafgewohnheiten gut kennst und es gewährleistet ist, dass es die nächsten zehn Minuten schlafen wird, kannst du dein Baby theoretisch kurz allein lassen. Die Betonung liegt auf „kurz“. Ein kurzes Alleinsein führt nicht automatisch zu einer seelischen Schädigung, denn wenn dein Kind generell gut umsorgt wird, hat es ein Urvertrauen. Solange dein Kind noch nicht aus dem Bett klettern kann, ist es im Bettchen recht sicher. Sobald du die Agilität aber nicht mehr einschätzen kannst und ein Verbleiben im Bett nicht garantieren kannst, lass dein Kind unter keinen Umständen alleine. Gleiches gilt, wenn es krank ist oder zahnt. Du solltest auch sicherstellen, dass du unterwegs nicht unerwartet aufgehalten wirst und zur Sicherheit immer einen Schlüssel bei einem Nachbarn hinterlassen.
Wenn du für einen längeren Zeitraum etwas mit deinem Partner oder Freunden alleine unternehmen möchtest, solltest du dein Kind auch jemandem anvertrauen.

Freunde/Familienmitglieder auf das Kind aufpassen lassen

Wann du dein Kind jemand anderem anvertraust, ist dir überlassen. Manche Mütter geben ihr Kind schon in den ersten Monaten zu ihren Eltern oder Freunden, andere warten über ein Jahr damit.
Wenn du dich dazu entscheidest, jemand anderen auf dein Kind aufpassen zu lassen, solltest du einiges planen und absichern. Beginne am besten nicht direkt mit einer ganzen Nacht, in der dein Kind auf dich verzichten muss, sondern starte mit einer halben Stunde oder Stunde. Das wird dich entspannen und auch die aufpassende Person entlasten. Du kannst Freunde oder Familienmitglieder auch erst einmal in deiner Anwesenheit auf dein Kind aufpassen lassen und dich dabei zurückziehen. Du wirst merken, ob du dich damit wohlfühlst und guten Gewissens dein Kind bei dieser Person lassen kannst. Auch die andere Person kann testen, wie es ihr ergeht, ob sie gut klar kommt oder doch verunsichert ist. Nach und nach kannst du die Zeiten etwas verlängern und dein Kind auch mal nachts von jemand anderem beaufsichtigen lassen. Bedenke aber, dass dein Kind eventuell deine Brust oder abgepumpte Milch braucht, wenn du noch nicht abgestillt hast. Wenn dein Kind die Flasche oder schon Brei akzeptiert, gibt es keine Bedenken, da du deine Milch dann abpumpen kannst. Wenn es nur an deiner Brust trinkt, musst du das in deiner Planung berücksichtigen. Wenn du dann unterwegs bist, sei immer erreichbar. Zu Beginn plagen viele Mütter Fragen, wie es dem Kind wohl geht, ob es weint und die Eltern vermisst und ob alles gut geht. Es kann helfen, die wichtigsten Dinge aufzuschreiben und der aufpassenden Person die Notizen zu geben. Auf der Liste können beispielsweise die Schlafzeiten und Trinkmengen stehen sowie typische Umgangsweisen, wenn das Baby schreit. Gibt es Schlafrituale? Dann schreibe auch das auf.
Beim Übernachten muss deinem Baby natürlich auch ein Köfferchen gepackt werden, damit alles da ist, was es braucht. Dazu gehören: Kleider, ein Schlafsack, Essen und Trinken, eine Flasche, Windeln, Feuchttücher, ein Reisebett und vielleicht auch ein Schnuller, eine Zahnbürste und das liebste Spielzeug oder Kuscheltier. Damit ist schon mal eine gute Grundlage geschaffen.

Einen Babysitter einstellen

Neben der Möglichkeit, dein Kind deiner Familie oder Freunden zu geben, kannst du natürlich auch einen Babysitter engagieren. Babysitting ist Vertrauenssache, und ein guter Babysitter sollte mit Bedacht gewählt sein. Eventuell können Freunde von dir jemanden empfehlen, oder du fragst im Kindergarten nach, ob es einen Tipp gibt. Du kannst auch online nach Babysittern suchen. Dort bekommst du unter anderem Informationen über das Alter sowie die bereits gesammelte Erfahrung. Auch hier empfehle ich dir, erst einmal Zeit gemeinsam mit dem Babysitter zu verbringen. Lass ihn beispielsweise dein Kind in deiner Anwesenheit zu Bett bringen und schaue, wie das klappt. Erkläre, welchen Erziehungsstil du pflegst und was es zu beachten gibt, damit es später nicht zu Problemen kommt, wenn du aus dem Haus bist. Bei einer Probestunde kannst du sehen, ob dir der Umgang zwischen dem Babysitter und deinem Kind gefällt, ob ein sicherer Umgang herrscht und wie sich dein Kind fühlt. Nicht nur für dich ist das sinnvoll, sondern auch dein Kind profitiert davon. Es kann leichter Vertrauen aufbauen und sich an die neue Person gewöhnen. Wenn es dann dazu kommt, dass der Babysitter und dein Kind alleine sein werden, kläre ihn zuvor darüber auf, wie dein Kind gerade drauf ist, welche Hausregeln es gibt und ob es sonst noch etwas zu beachten gilt. Für den Notfall solltest du immer erreichbar sein und deine Nummer bzw. die deines Partners hinterlegen und zur Sicherheit auch die Rufnummer des Kinderarztes oder anderer Ansprechpartner hinterlassen. Erzähle, welche Rituale und Abläufe eingehalten werden sollen, wann dein Kind schlafen sollte und ob es eventuell Krankheiten gibt oder Medikamente in bestimmten Dosen gegeben werden müssen. Möglichst ohne Misstrauen zu vermitteln, kannst du zwischendurch natürlich auch anrufen und dich vergewissern, ob alles nach Plan läuft.