Sich auf die Geburt vorbereiten

Die Geburt ist ein unglaubliches Ereignis und auch eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für Körper und Seele von Mutter und Kind. Es ist hilfreich, sich gut darauf vorzubereiten, indem man weiß, wie eine Geburt verläuft. Ich möchte dir aber auch einige weitere Tipps mit auf den Weg geben, um deinen Körper schon im Vorhinein für diese Herausforderung vorzubereiten.

Beckenbodentraining

Ein sinnvolles Training, das du ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel beginnen kannst, ist das Beckenbodentraining. Durch die Hormone in der Schwangerschaft wird deine Muskulatur  weicher, um dem Baby genug Platz zum Wachsen zu geben. Gleichzeitig wird diese Muskulatur durch das zunehmende Gewicht, das du mit dir herum trägst, gebraucht, um Rücken und Wirbelsäule zu entlasten. Das Beckenbodentraining ist also nicht nur für die Geburt sinnvoll: du profitierst auch schon während deiner Schwangerschaft davon.

Während des Geburtsvorgangs sind es vor allem die Wehen, also das rhythmische Zusammenziehen der Gebärmutter, die das Baby unterstützend herausschieben, und bei denen somit die meiste Arbeit liegt. Auf seinem Weg nach draußen dehnt der Kopf des Kindes die Beckenbodenmuskulatur erheblich. Wenn du eine kräftige, eher elastische Beckenbodenmuskulatur hast, erhöht sich ihre Dehnbarkeit. Die Gefahr, dass sie beim Geburtsvorgang reißt, ist geringer. Gleichzeitig ist durch das Training der Muskulatur dein Gefühl für diesen Bereich verbessert, sodass du während der Geburt die Muskulatur gezielter entspannen kannst. Gerade das Lockerlassen der Muskulatur vereinfacht dem Kind den Weg durch den Geburtskanal.

In der Zeit nach der Geburt solltest du deinem Beckenboden zwar vor allem Pflege und Schonung gönnen und auf schweres Heben und Tragen verzichten, du kannst aber direkt mit dem Beckenbodentraining beginnen. Lass dir von deiner Hebamme, die nach der Geburt die Wochenbettbetreuung übernimmt, die ersten Übungen zeigen. Außerdem kannst du nach etwa acht Wochen mit der sogenannten Rückbildungsgymnastik beginnen oder einen Kurs darüber belegen. Bei dieser Gymnastik werden Becken, Bauch und Rückenmuskulatur gemeinsam sanft gestärkt, ohne den Körper zu überfordern.

Geburtsvorbereitungskurs, Schwangerschaftsgymnastik, Yoga

Von den Geburtsvorbereitungskursen hast du wahrscheinlich schon gehört. Dein Frauenarzt und deine Hebamme werden dir davon erzählen. Diese Kurse umfassen insgesamt 14 Stunden und werden meist in sieben Doppelstunden aufgeteilt. Zu solch einem Kurs rate ich dir unbedingt, denn in diesem Kurs erfährst du viel über den Ablauf der Geburt, insbesondere, was anatomisch in deinem Körper passiert, und ab wann du ins Krankenhaus solltest. Hier erhältst auch wichtige Tipps für das Wochenbett. Natürlich werden hier auch verschiedene Positionen für die jeweiligen Geburtsphasen und Atemtechniken geübt, die den Geburtsvorgang erleichtern und dir helfen, dich zu entspannen. Obendrein erhältst du Informationen darüber, welche naturheilkundlichen und medikamentösen Möglichkeiten es gibt, um Schmerzen bei der Geburt zu minimieren.

Neben den klassischen Geburtsvorbereitungskursen kannst du auch Schwangerschaftsgymnastik machen. Das bringt viele Vorteile mit sich, hier nur einige davon: Wie das Beckenbodentraining stärkt auch Gymnastik die Muskulatur und hilft dir so dabei, den Körper auf die Belastung der Geburt vorzubereiten. Du fühlst dich fitter und bist es auch. Der Sport kann dir also dabei helfen, einige Schwangerschaftsbeschwerden besser in den Griff zu bekommen und hilft zum Beispiel bei Rückenschmerzen. Obendrein wird es dir nach der Geburt leichter fallen, zu deinem Normalgewicht zurückzukehren. Auch hier werden Atem- und Entspannungsübungen wiederholt, sodass man das Geübte leichter während der Geburt abrufen kann.

Ein weiterer Tipp in Richtung Wohlfühl-Faktor in der Schwangerschaft ist Schwangerschaftsyoga. Bei sanften Übungen, die an den Körper der Schwangeren angepasst sind, stärkst du deine Tiefenmuskulatur, atmest ruhig und übst Konzentration sowie innere Sammlung. Dies hilft dir, Stimmungsschwankungen, Stress und andere Herausforderungen einer werdenden Mutter besser zu überstehen. Yoga wirkt ängstlichen Zuständen und Nervosität entgegen und kann dir dabei helfen, während der Geburt etwas mehr Ruhe zu bewahren.

Dammmassage

Ab der 36. Schwangerschaftswoche empfehle ich dir eine regelmäßige Dammmassage. Der Damm ist der Bereich zwischen Vagina und After. Bei der Geburt wird besonders viel Druck auf diesen Bereich ausgeübt, was zu Rissen führen kann. Es ist deshalb wichtig, dafür zu sorgen, dass das Gewebe hier weich und dehnbar ist, damit es der Belastung gut standhält. Bereits um die 34. Schwangerschaftswoche kannst du damit beginnen, den Damm regelmäßig mit pflanzlichen Ölen einzureiben. Die tatsächlichen Dammmassagen kannst du aber ruhig erst um die 36. Schwangerschaftswoche herum beginnen, und zwar etwa drei- bis viermal pro Woche für fünf bis zehn Minuten.  Besonders förderlich ist es, wenn du vorher ein Bad nimmst. Der Damm ist dann bereits sehr gut durchblutet, und die sanften Dehnungen bei der Massage sind einfacher. Beachte bei der Massage, dass es nie weh tun sollte.

Angst vor der Geburt

Angst vor der Geburt ist ganz normal. Ob vor den Schmerzen, dem Ungewissen, dem Kontrollverlust oder möglichen Komplikationen – die meisten Frauen kenne diese Ängste kurz vor der Entbindung. Es ist okay, diesem unbekannten, neuen Erlebnis ängstlich entgegen zu sehen. Wichtig ist nur, dass dich diese Angst nicht lähmt. Die effektivste Variante, mit deinen Sorgen umzugehen, ist, sie zu entkräften. Du kannst mit deinem Arzt oder deiner Hebamme über alles reden und dir die Ängste so nehmen lassen. Auch das Gespräch mit anderen schwangeren Frauen kann sehr hilfreich sein, oder auch, dir immer wieder ermutigende Mantren aufzusagen und fest an dich und dein Können zu Glauben. Immerhin haben es auch schon unendlich viele Frauen vor dir geschafft, ein Kind auf die Welt zu bringen. Das Loslassen ist für eine unbeschwerte Geburt sehr wichtig. Das Abgeben der Kontrolle kann zwar ängstigen, aber der Versuch, während der Geburt die Kontrolle zu behalten, ist sogar kontraproduktiv. Dein Partner kann dir bei der Geburt zur Seite stehen, du musst nicht alleine sein. Vielleicht hilft es dir auch, deine Ängste einmal gedanklich durchzuspielen. Hast du beispielsweise Angst vor einem Notkaiserschnitt, kannst du dir sagen, dass du zwar eine Narbe behalten wirst, aber am Ende ist es zum Wohl deines Kindes. Du bist nicht die einzige Frau mit einer Kaiserschnittnarbe. Szenarien durchzugehen und zu entkräften kann die Sorgen meist mindern oder eingrenzen.

Alleine der Fakt, dass du dich hier gerade so ausführlich informierst, ist eine hervorragende Voraussetzung. 🙂